Flash or no Flash? – Unterwegs mit dem KAS-Orchester

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Letzten Monat war ich mit dem Orchester der Konrad-Adenauer-Stiftung unterwegs. Die Reise ging nach Nürnberg. Eigentlich war ich als Klarinettistin mit von der Partie, aber natürlich ist meine Kamera nicht zuhause geblieben 😉

Wir haben in Nürnberg selbstverständlich nicht nur geprobt, sondern auch einiges unternommen, was mir schöne Beispiele für verschiedene (Licht-)Situationen gibt. Daher möchte ich in diesem Post etwas zu meinem Einsatz von Blitzlicht beim Fotografieren in der Freizeit schreiben.

Die Situation in der ich meinen Blitz nicht missen möchte ist, wenn ich abends beim Weggehen fotografiere.

Wir hatten an einem Abend ein Paradebeispiel für schönes aber schwieriges Licht: Ein Pub mit gemütlicher Atmosphäre, roten Wänden und überall gedämpftes gelblichem Licht. In der Situation ist der Blitz kein muss, aber ein „nice to have“. Erstens ist es recht dunkel zum Fotografieren, durch das Blitzlicht kann ich Bilder mit weniger Rauschen produzieren. Hier ein Bild ohne Blitz bei ISO 3200:

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Zweitens kann man so die Personen ohne gelb-rote Einfärbung ablichten. Dies ist wohl eher schon eine Geschmacksache: ich habe gerne die Person in neutralen Tönen und das Umgebungslicht im Originalfarbton.Das Ergebnis kommt für mich näher an das heran, was das Auge wahrnimmt, da das Gehirn Verfärbung bei Personen durch das Umgebungslicht auch aus der Wahrnehmung eher ausblendet. Ein Blitz erlaubt einem, die Personen durch das Blitzlicht in neutraler Farbe darzustellen und gleichzeitig das schöne Ambiente mit einzufangen. Ich nehme hier mal ein Bild, was eine Freundin an dem Abend von mir gemacht hat. (Wie man sieht ist das Fotografieren mit den richtigen Einstellungen gar kein Hexenwerk mehr.) Meine Einstellungen waren: Verschlusszeit 1/60, Blende f4, ISO 800 und der Blitz auf 1/128.

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Hierzu eine kleine technische Erörterung für den, den es interessiert: Für eine neutrale Abbildung könnte man auch den Weißabgleich auf gelbliches Licht einstellt und die Personen werden wieder neutral abgebildet. Dadurch verliert man allerdings die schöne Atmosphäre, denn die Lampen sind dann plötzlich auf dem Bild ebenfalls neutralweiß, obwohl sie doch eigentlich gelblich warm waren. Die Rauschproblematik löst nur ein Blitz, oder eine professionellere Kamera mit gutem ISO-Verhalten (wozu die 100D nur begrenzt zählt). Man kann hier nur über offenere Blende (die war bei mir schon f4) und Belichtungsdauer noch etwas erreichen. Erhöht man die Belichtungszeit zu sehr, werden die Personen in ihrer Bewegung unscharf. Da hilft der Blitz eine Bewegung trotz längerer Belichtungszeit einzufangen. Übrigens kann man hier variieren: je länger die Belichtungszeit wird, desto mehr Umgebungslicht wird aufgenommen und je stärker man seinen Blitz einstellt, desto mehr dominiert logischer Weise das Blitzlicht.

Eine Etage tiefer fand ich einen weiteren Einsatzbereich für meinen Blitz. Wir hatten einen Kicker entdeckt 🙂 Hier will ich eindeutig die Bewegung im Spiel einfrieren und das in einer dunklen Ecke – also blitzen!

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Wer jetzt übrigens sagt: „So nen fetten Blitz mag ich aber nicht mitschleppen…“ – Stimmt! Mache ich auch nicht. Ich habe mir vor einiger Zeit einen kleinen NY 610 II gekauft.

YN600 vs NW610II

Hier seht ihr ein Foto von unserem Blitzarsenal. Wie man gut erkennt, ist der kleine Blitz auf der linken Seite nicht viel größer als der Transmitter für unsere großen 600er Blitze (rechts), die ich nicht freiwillig auf Verdacht mitschleppen würde.

Wer jetzt Bedenken hat, das der Kleine nicht genügend Power hat, den kann ich beruhigen: Die Aufnahmen im Pub sind alle auf kleinster Stufe geschossen worden mit der kleinen Diffusorkappe drauf, leicht nach oben gerichtet, um das Licht etwas weicher zu machen. (Ich würde mit dem Blitz nie ohne Diffusor direkt auf Menschen „zielen“, da würde mir das Ergebnis auch nicht gefallen.) An die Decke blitzen ist mit dem 610II kein Problem, da er ein extra eingebautes Gelenk dafür hat. Ich bin von dem Mini-Blitz total begeistert und hab ihn immer im Rucksack 🙂 Also traut euch: Ran an den Blitz! 😉

Doch es gibt auch häufig Situationen, in denen ich den Blitz in Räumen getrost in der Tasche lasse. Wir haben z.B. an einem Mittag in einer urigen Gaststätte gegessen. Der Raum war nicht sehr hell, hatte aber große Fenster, wie man im Hintergrund sieht.

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Hier habe ich nur die ISO auf 1600 hochgeschraubt und weiterfotografiert.

Wie man auf dem nächsten Foto sieht, erhält man durch die großen Fenster ein schön gleichmäßiges Licht und sieht trotzdem die einfallende Sonne von draußen, was die Atmosphäre im Raum hervorragend widerspiegelt. In diesem Fall würde man mit dem Blitz nur Stimmung zerstören.

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

Wer sich fragt ob das erste Foto, wo man auf Nürnberg schaut, geblitzt ist: nein! Dort habe ich die Sonne auf den Haaren eingefangen – so wie sie war – und die dunklen Bereiche unter der Überdachung in der Nachbearbeitung etwas aufgehellt, sowie den Himmel etwas abgedunkelt um eine gleichmäßigere Ausleuchtung des Bildes zu erreichen.

Fazit: Es lohnt sich, gerade wenn die Sonne oder andere interessante Lichtquellen, wie Straßenlaternen, Fenster, Lampen etc. mit im Spiel sind immer erst zu schauen, und dann zu entscheiden, wie man das vorhandene Licht am besten einfängt bzw. ob ein Blitz zur gelungen Abbildung der Situation beitragen kann z.B. zum Aufhellen von Gesichtern oder zum Einfrieren von Bewegung, wie oben.

Wenn man das Licht beobachtet und dann auch noch die Kamera griffbereit hat, bekommt man sogar auch mal ein Eichhörnchen ins rechte Licht gerückt 😉

Foto von Agnes Vosen (www.av-photographics.de)

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